《纪念释梦》原文参考(德文)
作者: 施琪嘉 / 3065次阅读 时间: 2010年6月18日
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100 Jahre Traumdeutung
Eine Debatte zwischen Psychoanalyse und Neurowissenschaften

Vor ca 100 Jahren veröffentlichte Sigmund Freud sein fundamentales Werk „Die Traumdeutung“. Anläßlich dieses Geburtstages fanden an zahlreichen Orten wissenschaftliche Vorträge und Kongresse über Freuds Werk statt. Dabei ist eine Annäherung zwischen den psychoanalytischen und neurowissenschaftlichen Theorien über den Traum zu beobachten. Der folgende Beitrag will die Phasen der Kontroversen und Konvergenzen über die wissenschaftlichen Theorien zum Traumes aufzeigen.

1. Zur Geschichte der Traumdeutung von S. Freud

Ab 1885 arbeitete Freud an einem wissenschaftlichen Werk über Träume; dabei fungierten eigene Träume wie Schlüsselerlebnisse („Irma’s Injektion“ oder anläßlich des Todes seines Vaters). Bezeichnend für Freuds wissenschaftliches Werk ist, daß er versuchte, seelische Phänomene zunächst durch die Analyse eigener Phänomene und Konflikte zu verstehen. 1899 schrieb er „die Traumdeutung“ in einem Schwung runter, sie erschien im November 1899 bei Franz Deuticke in Leipzig/Wien mit dem Erscheinungsjahr 1900.
An seinen Freund Fließ, einen HNO-Arzt in Berlin, schrieb Freud bereits 1895 seine Hypothese, daß „die Wunscherfüllung das Motiv des Traumes ist“. Auf Seite 1 der Traumdeutung sagt er 1900: „Auf den folgenden Blättern werde ich den Nachweis erbringen, dass es eine psychologische Technik gibt, welche gestattet Träume zu deuten, und dass bei Anwendung dieses Verfahrens jeder Traum sich als ein sinnvolles psychisches Gebilde herausstellt, . . .“ Dennoch ist Freud mit seinem Werk überhaupt nicht zufrieden; er schreibt im gleichen Jahr an Fließ, er sei „ ... kein Mann der Wissenschaft ... ein Conquistadorentemperament, ein Abenteurer ...“.

Ilse Grubrich-Simitis, die renommierte Frankfurter Psychoanalytikerin, Freud-Forscherin und Lektorin des S. Fischer-Verlages, hat 1999 den mühsamen Prozeß anhand der insgesamt 9 Auflagen der „Traumdeutung“ (1900 bis 1942) und der reichlich vorliegenden privaten Korrespondenz Freuds, das die Geschichte und Hintergründe des Werkes beleuchtet, dargelegt. So wollte Freud im Vorwort zum 3. Auflage 1911 erwähnen, daß dies die letzte Ausgabe der Traumdeutung sein werde, woran ihn aber sein Verleger hindern konnte; er wollte offenbar alle persönlichen Aspekte aus dem Buch nehmen. Insgesamt ist die Traumdeutung ein beeindruckendes Dokument eines erkenntnissuchenden Prozesses, in den sich der Autor selbstanalysierend eingebracht hat; zeitlebens blieb die persönliche Note des Werkes für Freud hoch ambivalent, für die Leser und Wissenschaftler aber ist dies ein beeindruckendes Dokument zur Ideengeschichte.

2. Freuds Theorie des Traumes möchte ich knapp zusammenfassen:

1. Der Traum ist ein Hinweis oder gar ein Beweis für das Vorhandensein des Unbewußten. Er ist eine „via regia zum Unbewußten“.
2. Die Träume sind sinnhaft und verstehbar; sie haben eine unbewußte Bedeutung, die gedeutet, d.h. ins Bewußtsein gehoben werden kann.
3. Der Traum ist im Kern eine Wunscherfüllung.
4. Die Inhalte der Träume kommen oberflächlich aus Material vorhergegangener Tage: Wünsche, Sorgen, Banalitäten: sog. „Tagesreste“. Die Tagesreste begleiten oder umkleiden aber die unbewußten, konflikthaften Wünsche infantilen Ursprungs.
5. Die Träume lassen sich in einen manifesten Inhalt (= Traumerzählung, Symbolsprache) und einen latenten, konflikthaften Inhalt (= unbewußte Bedeutung) unterscheiden.
6. Der Träumer übersetzt den konflikthaften Inhalt durch die Traumarbeit in den manifesten Inhalt, es ist ein aktiver psychischer Abwehrvorgang; täte er das nicht, würden die Konflikte dem Träumer bewußt werden und ihn gar wach werden lassen (Bsp. Alpträume). Dadurch wird der Traum zum „Hüter des Schlafes“.
7. Der Träumer benutzt aktiv verschiedene Methoden zur Umarbeitung des Traumes: Die Verdichtung: Ein Wort, eine Person, ein Adjektiv, ein Symbol ist eine Verdichtung eines Gedankens und ganzer Gedankenwelten - wie ein Gedicht eben. Z. B. können Personen im Traum haben Menschen Eigenschaften verschiedener Personen haben (Mischpersonen); der Träumer sie träumten von sich als Kind und als Erwachsener zugleich. Die Verschiebung: Ein wichtiges Traumelement kann nur als ein nebensächliches, oft unpassendes, aber dadurch bedeutungsvolles Detail auftreten und auch umgekehrt. Verdichtung und Verschiebung dienen der Verschleierung des eigentlichen konflikthaften Themas, das als zentraler biographischer und/oder als aktueller Tagesrest im Unbewußten arbeitet. Der Träumer versucht quasi, seinen Pelz zu waschen, aber er möchte sich dabei nicht naß machen.

3. Die psychoanalytischen Traumtheorie im Konsens mit der Traumforschung,

Die Traumtheorie der Psychoanalyse wurde wie eine Glaubensfrage behandelt, man glaubte daran oder man hielt es für Humbug. Das Hauptproblem der Psychoanalyse ist, daß sie mit ihrem hermeneutischen Ansatz des Verstehens sich quantitativer naturwissenschaftlicher Methoden entziehe. Diese Kritik ist nur bedingt berechtigt, da es auch in der Psychoanalyse quantitative Forschungen gibt. Die Existenz des Unbewußten ist aber nach wie vor nicht zu beweisen, es gibt aber empirische Hinweise. Die Neurowissenschaften übrigens bieten bis heute noch nicht einmal ein schlüssiges Modell für das Bewußtsein an, bestenfalls für das Gedächtnis. Träume sind individuelle Schöpfungen, die nur aus der individuellen Lebensgeschichte und dem aktuellen Tagesgeschehen des Träumers zu verstehen sind - so die Psychoanalyse.

Zu Freuds Lebzeiten wurde in den 20-ziger Jahren von Hans Berger in Jena das Elektro-Encephalogramm (EEG) erfunden, das elektrische Potentiale des Gehirnes erfaßt. Das EEG weist im Schlaf charakteristische Wellen (a-, b-, q-, d-Wellen) je nach Schlaftiefe als Ausdruck verschiedener Zustände der Gehirnaktivität auf. Bereits 10 Jahre vorher forschte in Wien der Neurologe Otto Pölzl über subliminare, d.h. unter der Wahrnehmungsschwelle liegende Wahrnehmungsvorgänge, die sich als Tagesrest im Traum niederschlagen. Einen Durchbruch schaffte die Traumforschung aber erst 1953 durch die Forschungen von Kleitman und Aserinsky in Chicago, die die REM-Phasen im Traum entdeckten. REM steht für rapid-eye-movement. Aserinsky und Kleitman fanden experimentell heraus, daß Schlafende, die man in den oder kurz nach der REM-Phase weckte, zu ca. 90% von bildhaften Träumen erzählten, in den Non-REM-Phasen nur zu 7%. Hohe REM-Aktivität korreliere mit intensiven Träumen, niedrige mit weniger aktiven Träumen. Der Schlaf eines jungen gesunden Erwachsenen sieht typischerweise so aus:

Abb. 1 (EEG-Phasen mit REM und NON-REM)

Ca. 90 min. nach dem Eintauchen in den Schlaf wird der Schläfer fast wach, beginnt aber mit einer REM-Phase; dabei bewegen sich die Augen wie vor einer großen Leinwand; die Muskulatur (Gesicht, Nacken) ist extrem entspannt, der Träumer ist schwer erweckbar, obwohl er fast wieder an der Grenze zum Wachsein ist. Die REM-Phase wird daher auch „paradoxer Schlaf“ genannt. Nach der 1. REM-Phase tritt er wieder in die Non-REM-Phase, aber nicht mehr so tief, ein. Das Ganze wiederholt sich periodisch während eines 8-stündigen Schlafes ca. 5 mal.
Während der REM-Phase ereignen sich Sensationen sexueller Erregung: Männer bekommen eine Erektion von ca. 20 min. Dauer, bei Frauen finden sich analoge Vorgänge (Kontraktionen der Vagina und Temperaturveränderungen an der Klitoris). Studien ergaben übrigens, daß auch sexueller Verkehr vor dem Schlaf die genitalen Regungen im REM nicht verhindere; andererseits sollen Träume mit kastrierenden Themen und Ängsten Erektionen zum Erschlaffen bringen.

Diese neurophysiologischen Befunde wurden mit der psychoanalytischen Traumtheorie als gut vereinbar angesehen, da die REM-Phasen mit dem bildlichen Träumen und den genitalen Sensationen als Ausdruck sexueller Wünsche identisch seien und der REM-Schlaf somit der Hüter des Traumes sei; wenn es dem Träumer nicht gelingt, seine Inhalte in die Traumbilder zu integrieren, erwacht er, er „fliegt“ dann aus dem Schlaf einfach raus - wie beim Alptraum.

4. Die neurowissenschaftliche Kritik an der psychoanalytischen Traumtheorie

In den folgenden Jahren wurde aber bekannt, daß auch Neugeborene REM-Phasen mit genitaler Erregung, die eine genital-sexuelle Motivation unwahrscheinlich macht, zeigen und, daß REM-Phasen bei fast allen Säugetieren vorkommen. Daß Affen in der REM-Phase Bilder sehen, konnte durch Konditionierungen plausibel gemacht werden.
Die differenzierten neurophysiologischen Untersuchungsmethoden und Tierexperimente ergaben in den 70-ziger Jahren immer deutlicher, daß der REM-Schlaf offenbar nur eine periodische stattfindende Aktivität aus dem Hirnstamm, speziell der Pons, der Brücke darstellt. Hobson und McCarley (1977) und weitere Forscher postulierten, daß der REM-Schlaf und der NON-REM-Schlaf eine oszillierende Aktivität des Gehirnes sei, bei der in der Pons der Transmitter Acetylcholin zunächst ausgeschüttet und - durch eine Art Rückkopplung ebenfalls aus der Pons - das Acetylcholin heruntergefahren wird und die Transmitter-Gegenspieler Noradrenalin und Serotonen aktiviert werden. Im Schlaf - so die Kritiker psychoanalytischer Traumtheorien - fänden also simple Oszillationen statt, die nichts mit einem inhaltlichen Motiv - wie Freud annahm - zu tun hätte. Die Traum-Phänomene von Neugeborenen und Säugetieren widersprächen Freuds Hypothese. Träume spielten sich in der oszillierenden REM-Phase ab. Träume seien „motivational neutral“. Sie sind nur „Schäume“, zufällige Entladungen („Neuronengeknatter“) im Gehirn ohne Bezug zum Seelenleben. Die psychoanalytische Traumtheorie sei ja ganz nett, aber sie habe mit der Realität leider nichts zu tun.

5. Konvergenz von psychoanalytischer und neurowissenschaftlicher Traumforschung heute

Die Traumforschung überprüfte diese Befunde mit differenzierter Methodik und mußte ihre Kritik allmählich revidieren. Hierzu referiere ich im Folgenden eine Arbeit von Mark Solms (1999); Solms ist Psychoanalytiker und Professor für Neurologie in London. Er gibt seit 1999 zusammen mit Edward Nercessian das intenationale und interdisziplinäre „Jounal of „Neuro-Psychoanalysis“ heraus, in dessen Beirat sowohl eingefleischte Hirnforscher als auch Psychoanalytiker sitzen.
Es wurde die Methode der Weckversuche näher und differenzierter untersucht. So stellte sich heraus, daß diese Befunde einfach unpräzise erhoben und vorschnell interpretiert wurden und daß die Probanden, noch bevor sie nach über einer Stunde Schlaf in die erste REM-Phase überhaupt eingetreten, bereits über Träume berichteten. Das überraschende Ergebnis war, daß die Annahme, Träume seien mit dem REM-Schlaf identisch, nicht stimme und, daß es während des Non-REM-Schlafes ebenfalls Träume gebe, die aber nicht bildhaft sind.
Wenn diese neue Hypothese stimme, muß es neben der Pons noch andere Aktivitätszentren im Gehirn geben. Es wurden eine Anzahl von Patienten untersucht, die Schädigungen im Bereich der Pons aufwiesen derart, daß diese Patienten keine REM-Phase und keine Träume haben konnten. Aber diese Patienten gaben dennoch an, zu träumen! Umgekehrt wurde eine Anzahl von Patienten untersucht, die keine Träume angaben; bei denen war aber der REM-relevante Bereich der Pons neurophysiologisch intakt.
Diese Befunde wurde dahingehend gedeutet, daß der REM-Schlaf als das physiologische Äquivalent zum Traum nicht stimmen könne. Neben der Pons muß es also noch eine oder mehrere Regionen im Gehirn geben, die mit dem Träumen etwas zu tun haben.
Neben dem REM-Zentrum im pontinen Hirnstamm wurden in der Tat noch 2 traumrelevante Regionen in der Neocortex lokalisiert. Klinische Untersuchungen von Patienten mit eng umschriebenen lokalen cerebralen Schädigungen, EEG-Untersuchungen und neuere bildgebende Verfahren wie die PET (Positonen Emissions Tomographie) ergaben folgende Befunde:
Im tiefen Marklager (weiße Substanz) des Frontallappens, vorn und oberhalb der Augenhöhlen gebe es einen Faserzug - so Solms -, der Impulse aus dem Mittelhirn durch Ausschüttung von Dopamin an höhere Hirnregionen weiterleite. Bei Schädigung dieser Bahnen falle das Träumen aus, während der REM-Zyklus intakt bleibe. Medikamente (z.B. L-Dopa, vgl. M. Parkinson) können diese Fasern stimulieren, was zu verstärkter Traumtätigkeit führt; umgekehrt können Dopamin-Antagonisten (z.B. Neuroleptika, vgl. Schizophrenie) eine verstärkte Traumtätigkeit abstoppen (0. Sacks 1990 - zit. nach Solms).

Abb. 2 (Gehirn)

Das bedeutet: Die Traumaktivität könne über eine neurochemische Bahn an- oder ausgeschaltet werden, die mit dem REM-oszillierenden Pons nichts zu tun habe (Solms). Ferner: Diese Faserbahnen hätten die Funktion, „zielorientiertes Verhalten und appetitive Interaktionen des Organismus mit seiner Umwelt in Gang zu setzen“ (Panksepp, 1985, zit. nach Solms). Diese Bahn spiele bei Motiven für eine Handlung und Suche nach äußeren Objekten eine zentrale Rolle. Solms meint: Diese Funktion sei genau das, was Freud damals mit „Libido“ als primärer Triebkraft der Träume meinte. Freuds Hyopthese, daß die Wunscherfüllung das Motiv des Traumes sei, scheine in der Tat zuzutreffen. Das Motivationssystem des Frontallappens spiele eine zentrale Rolle beim Träumen. Das Gehirn schläft nie, es befindet sich im Schlaf in verschiedenen Erregungszuständen (Arousal), die durch die Traumtätigkeit des Non-REM-Schlafes somit kanalisiert werden. Solms führt mit Einschränkungen Befunde an, daß Patientien infolge einer bestimmten Hirnschädigung die Fähigkeit zum Träumen verloren haben, und häufiger über Schlafstörungen klagen als Hirngeschädigte mit intakter Traumfunktion.
Ist der Traum doch - wie Freud meinte - der Hüter des Schlafes?
Es wurde noch ein weiteres Zentrum in der sog. occzipito-temporo-parietalen Übergangsregion (Region über den Ohren) lokalisiert, das im Wachzustand konkrete Wahrnehmungen in abstraktes Denken umsetzt. Schädigungen dieser Region führten zur Traumlosigkeit. Beim Träumen sei es dann umgekehrt, daß abstrakte Gedanken und Erinnerungen in konkrete Wahrnehmungen umgesetzt würden. Im Traum werde die Aktivität des Frontalbereich in die der temporalen Übergangsregion umgeleitet, es finde ein Richtungswechsel statt. Dabei sei wichtig, daß andere Regionen, die für die Motorik zuständig sind, nicht aktiviert werden. Im Schlaf ist das Handeln blockiert, außer in pathologischen Schlafformen wie Schlafwandeln. Das Gehirn ist auch im Schlafzustand aktiv, aber anders; es befindet sich in einer stand-by-Funktion, einer partiellen Regression. Der Träumer schaffe - so Solms - im Traum eine Pseudowirklichkeit mit Bildern, wobei occipitale Zentren (Hinterkopf) bildhaft aktiviert würden. Was wir im Traum als Bilder sehen, sehen wir von innen heraus, als ob es real wäre.
Etymologisch kommt das Wort „Traum“ von „Trugbild“. Wir betrügen behumpsen uns im Traum also selber, motiviert und trickreich. Was die Neurowissenschaften aber noch nicht überzeugend erklären könne, ist die von Freud genannte Zensurfunktion des Traumes.

Wolfgang Leuschner (2000), ein Traumforscher und Psychoanalytiker aus Frankfurt, der sich speziell mit einer Arbeitsgruppe am Sigmund-Freud-Institut mit subliminarer Stimulation und dem Einfluß der Tagesreste auf den Trauminhalt als ein Modell für vorbewußte Inhalte beschäftigt, faßte folgendes zusammen:
1. Wir träumen viel mehr, als wir bisher annahmen. Neben den sinnlichen Traumerlebnissen der REM-Phasen gibt es formale gedankliche, fragmentarische Träume der Non-REM-Phasen. Rechnen wir das zusammen, machen die Träume 70% des Schlafes aus. Ein 70-j. Mensch verbringt demnach etwa 6 Jahre seines Lebens mit Träumen! (Polyphasisches Schlafmuster im Baby-, Kleinkindalter und Polyphasischer Schlaf in Babyzeit und Kindheit und wieder im hohen Alter eingerechnet).
2. Sicher ist, daß wir nicht in geschlossenen Kurzgeschichten pro Traum träumen, sondern in Fragmenten und in Prozeßform. In Analysen erzählen Patienten mehrere Träume einer Nacht oder mehrerer Nächte, die sich wie eine Fortsetzungsgeschichte um das gleiche Thema drehen.
3. Träume sind in der Regel alltäglich und „grau“. Wir erinnern uns besonders an die bunten und spektakulären. Das Erinnern ist selektiv, das Erzählen z.B. in Analysen ist eine Weiterbearbeitung mit stärkeren Abwehrprozessen als im Traumprozeß selbst.
4. Blinde träumen ohne Bilder, mehr taktil und akustisch. Auch Menschen, die erst um das 3. Lebensjahre erblindeten, träumen allmählich bildlos.
5. Schlafwandeln, Reden im Schlaf, Bettnässen, schwere Angstzustände ereignen sich passieren im Non-REM-Schlaf genauso wie epileptische Anfälle.
6. Träumen dient der seelischen und körperlichen Gesundheit; sie regulieren Gefühle, lösen Probleme und Streß. H. Bach (1977) wies darauf hin, daß Tagesreste am Anfang und am Ende des Schlafes eine größere Rolle spielten (akutes Problemlösen), in der Mitte fänden mehr mit Tagesresten vermischte grundlegende Konflikte des Träumers statt.
7. Kleinkinder haben zum Großteil mehr Angstträume als Erwachsene. Die Fähigkeit zu träumen wächst mit dem Alter und den im Gehirn gespeicherten Gedanken, Gefühlen und unerledigten Konflikten aus der Biographie.

6. Zusammenfassend

Daraus ergibt sich, daß die meisten Hypothesen von Freud, der als Neurologe und Psychoanalytiker kein EEG, kein PET und heutige neurophysiologische Befunde kennen konnte, ein verblüffend klares Konzept über die Funktion und die Inhalte des Träumens aufgestellt hatte, das durch die heutigen Erkenntnisse der Neuro-Wissenschaften größten Teils bestätigt werden konnte.
Wir befinden uns 100 Jahre nach der ersten Auflage der Traumdeutung in einer Situation, wo Annäherungen und gemeinsame Antworten von Psychoanalyse und Neuroscience auf bislang offene wissenschaftliche Fragen des Menschen gefunden wurden. Es gibt aber noch viel Unbekanntes zu verstehen.

Literatur:
Bach, H. (1977): Zur experimentellen Traumforschung. In: Kemper, W.: Der Traum und seine Be-Deutung. Frankfurt, Fischer
Freud, S. (1900): Die Traumdeutung. Leipzig, Deuticke
Freud, S. (1942): Die Traumdeutung. Über den Traum. GW Bd. II/III
Grubrich-Simitis, I. (1999): Metamorphosen der >Traumdeutung<. Über Freuds Umgang mit seinem Jahrhundertbuch. Supplement zur Faksimile-Ausgabe von Freuds Traumdeutung von 1900. Frankfurt, S. Fischer
Leuschner, W., Hau, S., T. Fischmann (2000): Über die akustische Beeinflußbarkeit von Träumen.
Tübingen, Edition Discord
Solms, M. (1999): >Traumdeutung< und Neurowissenschaften. Supplement zur Faksimile-Ausgabe von Freuds Traumdeutung von 1900. Frankfurt, S. Fischer

Matthias Elzer ist Psychoanayltiker, Psychiater und Professor an der FachhochschuleUniversity of Applied Sciencies in Fulda www.psychspace.com心理学空间网
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